Ernst Jandl, Norman Junge: Fünfter Sein
Ein Blick in dieses Wartezimmer verheißt nichts Gutes.
Dem
einen fehlt ein Stück der Nase, ein anderer hockt eingesunken da, den Arm
bandagiert, das Auge durch eine Klappe verdeckt. Ein Dritter trägt ein großes
Pflaster auf dem Rücken. Zwei Weiteren sind ganze Körperteile abhanden gekommen.
Was für ein armes, geschundenes Grüppchen hat sich da versammelt?
Fünf Spielzeugfiguren sind es, alle offenbar durch die allzu
innige Behandlung ihrer kindlichen Besitzer derangiert. Sie sitzen da und
warten auf den Puppendoktor.
Fünfter sein, so lautet
der Titel und zugleich das Motto dieser kleinen
Wartezimmergeschichte. Das Buch geht auf ein Gedicht des
österreichischen Lyrikers Ernst Jandl zurück und beschreibt mit sparsamen Worten
den Zustand des Hoffens und Bangens, des Krankseins und Gesundwerdens, des Wartens
und – Drankommens. Einer nach dem anderen wird hereingebeten von einem geheimnisvollen
Doktor, der sich hinter der verschlossenen Tür nur erahnen lässt, jedoch
offensichtlich ganze Arbeit leistet. Da bekommt der Frosch seine Krone zurück,
der Pinguin seine Flügel und der Bär sein Auge.
Tür auf. Einer raus.
Einer rein.
Der letzte in der Warteschlange ist Pinocchio mit kaputter
Nase, der bangend Stuhl um Stuhl dem Behandlungszimmer näher rückt und aus
dessen Perspektive der Leser das Geschehen miterlebt. Die aufs Wesentliche
reduzierten Worte werden durch eine überschwängliche, detailreiche, zugleich
düstere und heitere Bildsprache des Illustrators Norman Junge ergänzt. Da ist
Bewegung, da schwingt sogar die Deckenlampe mit, wenn wieder ein geheiltes
Wesen fröhlich und mit frischem Mut das Sprechzimmer verlässt.
Fünfter sein wurde
für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und sowohl mit dem „Premio-Bologna-Ragazzi“
(Kinderliteraturpreis der Internationalen Kinderbuchmesse, Bologna) als auch
mit dem „Luchs“ (vergeben durch Radio Bremen und Die Zeit) ausgezeichnet und
bringt Kindern nicht nur das Verständnis und den Gebrauch von Zahlen nahe. Es
macht auf unterhaltsame Weise deutlich, dass man zwar manchmal arm dran ist, damit
jedoch meist nicht alleine dasteht. Und dass das Warten sich durchaus lohnen
kann. Auch wenn es mühsam und zermürbend sein mag.
Erich Kästner: Till Eulenspiegel
Wer kennt ihn nicht, den wohl größten Schelm aller Zeiten?
Till Eulenspiegel, der der Überlieferung nach im 13.
Jahrhundert in Niedersachsen geboren wurde, sich rastlos auf eine lebenslange
Wanderung begab, zahlreiche Berufe ausübte und seine Mitmenschen stets zum
Narren hielt.
Die
üblen, aber auch sympathischen Streiche Till
Eulenspiegels leben davon, dass er mit der Bildhaftigkeit und
Mehrdeutigkeit
von Redewendungen spielt. Er nimmt Gesagtes oft allzu wörtlich
oder rückt den
Formeln der Alltagssprache zu Leibe, indem er ihnen einen neuen,
überraschenden
Sinn gibt. Dank der Fähigkeit, die Möglichkeiten der Sprache
auszureizen, gelingt
es ihm, die Schwächen seiner Mitmenschen bloßzustellen, ihre
Eigensucht und ihre Verführbarkeit offenzulegen und die
Missstände seiner Zeit zu
entlarven. Dabei wohnt seinen Streichen aber nicht nur das Moment der
Schadenfreude inne – sondern immer auch eine gehörige
Portion Weisheit.
Die älteste überlieferte Version des „Till Eulenspiegel“
stammt aus dem 16. Jahrhundert. Während das Original aus über 90 Kapiteln
besteht, hat Erich Kästner eine kindgerechte, insgesamt 12 Kapitel starke
Fassung adaptiert und hier die unterhaltsamsten Streiche des großen Spötters versammelt.
Die treffenden Illustrationen von Walter Trier ergänzen die heiteren Geschichten
und veranschaulichen das damalige Lebensgefühl, die Gepflogenheiten und Bräuche
der Menschen.
Till Eulenspiegel, Spaßmacher und Landstreicher, der nie
aufhört, Possen zu reißen und andere an der Nase herumzuführen. Viele seiner
Zeitgenossen fürchteten ihn, andere schätzten ihn – Kinder lieben ihn.
Axel Scheffler, Julia Donaldson: Der Grüffelo
Eine Maus spaziert durch
den Wald. Unterwegs begegnen ihr wilde, hungrige Tiere, die nur
eines im Sinn haben: sie zu fressen. Doch die Maus weiß sich zu
helfen. Scheinbar ungerührt gibt sie vor, mit ihrem Freund, dem
größten und bedrohlichsten aller Waldbewohner, dem
GRÜFFELO, verabredet zu sein. In den schillerndsten und
schrecklichsten Farben malt sie ihren Feinden die phantastische
Riesengestalt aus. Und siehe da! Sie ergreifen die Flucht und
verschwinden flink wieder in ihren Löchern.
Dabei gibt's ihn doch gar nicht, den Grüffelo. Oder etwa doch?
Eindrucksvoll und witzig hat der bekannte Illustrator Axel Scheffler
diese tollkühne, von Julia Donaldson in einprägsamen Reimen
verfasste, von Monika Osberghaus treffend übersetzte Fabel in
Szene gesetzt. Der kleine Leser wird eingeladen, in die Maus
hineinzuschlüpfen und mit ihr die großen Gefahren des Waldes
zu bestehen. Diese Identifikation mit der Maus liegt aus mehreren
Gründen nahe. Sie ist sympathisch gezeichnet, frech, furchtlos und
schlau. Souverän gelingt es ihr, die sehr viel größeren
und stärkeren Waldbewohner zu täuschen. Welches Kind kann
sich ihrem Charme entziehen und möchte nicht selbst so beherzt
handeln?
Die Figur der Maus greift eine kindliche Grunderfahrung auf
– nämlich kleiner und schwächer zu sein als andere und
bietet gleichzeitig einen Ausweg aus diesem Dilemma an: die
Größen- und Machtunterschiede einfach mit Köpfchen und
List zu eliminieren.
Dass es allerdings auch gefährlich
sein kann, Ungeheuerliches vehement heraufzubeschwören, mag eine
kleine Moral der Geschichte am Rande sein. Sofern man die gerufenen
Geister aber wieder los wird, kein Problem!
Colfer, Eoin: Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy
(ab 7/8 J.)
Tims Eltern reicht's: Nicht nur, dass das
Haus ständig voller lärmender Kinder ist (2 Freunde je Sohn
machen immerhin 14 Kinder), Mamas Make-up als Kriegsbemalung
zweckentfremdet wird, es muss auch noch alle drei Wochen der
Sanitärdienst anrücken, um die Klospülung zu reparieren.
Diese Sommerferien sollen endlich einmal sinnvoll genutzt werden. Und
deshalb werden Tim und sein älterer Bruder Marty dazu verdonnert,
drei Stunden pro Tag in der städtischen Bibliothek zu verbringen.
Um sich zu bilden, wie die Eltern sagen. Die beiden sind entsetzt.
Weiß doch jeder, dass Knolle Murphy in der Bibliothek mit
strengem Regiment regiert, ausgerüstet mit zwei
Gas-Druck-Pistolen, mit denen sie Kartoffeln auf ungehorsame Kinder
schießt. Als den beiden dann obendrein nur erlaubt wird, die
langweiligen Bücher aus der Kinderbuchecke zu lesen,
überwinden sie ihre Angst und hecken einen Plan aus. Aber Knolle
Murphy ist nicht von gestern und kommt ihnen immer wieder auf die
Schliche. Bis die drei fast Freunde werden und Tim und Marty ihre Lust am
Lesen entdecken, passiert eine ganze Menge in dieser von Eoin Colfer ausgesprochen
vergnüglich erzählten Geschichte. Tony Ross
hat die komischen Szenen treffend und mit sicherem Strich ins Bild
gesetzt.
Bloom, Becky: Der kultivierte Wolf (ab 5 J.)
Wölfe haben bekanntlich nur eins im
Sinn: Fressen! Am liebsten machen sie sich über kleine
Schweinchen, Geißlein und Großmütter her. Auch der
Wolf in dieser Geschichte hat großen Hunger und gerät auf
der Suche nach etwas Essbarem auf einen Bauernhof. Dort stellt er
verblüfft fest, dass die Tiere sich von ihm nicht beeindrucken
lassen, sondern ungerührt weiter in ihren spannenden Büchern
lesen. Lesende Tiere! Da will der Wolf auch dazugehören. Doch um
in den exklusiven Hofkreis aufgenommen zu werden, muss er erst lesen
lernen. Also vergisst der Wolf seinen Hunger und eilt in die Schule, in
die Bücherei und in die örtliche Buchhandlung.
Baltscheit, Martin: Der kleine Herr Paul mag Bücher (ab 6 J.)
Der kleine Herr Paul liebt Bücher.
Er ist zwischen Bücherbäumen groß geworden und liest
jeden Tag. Manchmal findet er ein falsches Ende und macht sich auf den
Weg zum Dichter. Soll etwas am Leben geändert werden, geht er in
ein Änderungsatelier oder er fährt mit einem unsichtbaren Zug
in das Land des verlorenen Lachens und findet dort einen starken Mann,
der ihm erklärt, wie ein guter und ein schlechter Tag aussieht,
wenn er sich in einer Handtasche versteckt hat. In der Welt des kleinen
Herrn Paul ist alles möglich, was Platz zwischen zwei Buchdeckeln
hat und ein lesendes Herz zum Schlagen bringt. Und das ist eine
ziemliche Menge.
Vom kleinen Herrn Paul gibt es weitere
Bände (Der kleine Herr Paul / Der kleine Herr Paul stellt sich vor
/ Der kleine Herr Paul macht Ferien / Der kleine Herr Paul im Schnee /
Der kleine Herr Paul geht schlafen)
Neubauer, Annette: Anschlag auf die Buchwerkstatt (ab 10 J.)
(Ein Ratekrimi um Johannes Gutenberg)
Mainz im Jahr 1452: In der Werkstatt von
Johannes Gutenberg soll die Bibel in der neuen Technik gedruckt werden.
Doch das Werk scheint unter einem bösen Stern zu stehen: Bei einem
Einbruch wird wertvolles Pergament gestohlen, und Gutenberg erhält
von einem Unbekannten einen Drohbrief. Wer könnte ihn erpressen
wollen? Mutig begeben sich Friedel, Gutenbergs Lehrling, und Elsa auf
die Spur des Täters.
Als gebundene Ausgabe (7.90 €) und als Hörbuch (12.90 €) im Buchhandel erhältlich.
Ali Mitgutsch: Vom Maler zum Bilderbuch (ab 4 J.)
(Reihe: Schlaue Knirpse)
In einfallsreichen, eingängig
gezeichneten Bildern erklärt das Buch den Weg einer Idee, einer
Geschichte zum gedruckten materiellen Gegenstand in der Buchhandlung.
Zum Autor
Ali Mitgutsch, 1935 in München
geboren, beschloss im Laufe einer sehr ermüdenden
Lithografenlehre, freier Grafiker zu werden. So studierte er an der
Grafischen Akademie in München. Seine Inspirationen erhielt er
durch zahlreiche Reisen durch die ganze Welt. Im Juli 2003 wurde er mit
dem Schwabinger Kunstpreis geehrt. Bekannt geworden ist er vor allem
durch seine großformatigen Wimmelbilderbücher.
Perschy, Jakob M.: Die kleine Fledermaus-Buchhändlerin
(ab 5 J.)
Cölestine ist eine Fledermaus und
Buchhändlerin. Sie hat so ein feines Näschen für den
Buchgeschmack ihrer Kunden, dass sich diese bei der Lektüre gleich
in die Helden der Geschichten verwandeln. Kein Wunder, dass in ihrem
Laden immer viel los ist ...
Zum Autor
Hans-Günther Döring, 1962 in
Hermannsburg geboren, machte eine Ausbildung als Dekorateur und
studierte danach Kommunikationsdesign in Hamburg. Seit 1991 arbeitete
er als freier Illustrator für Kinderbuch-Verlage und das
Fernsehen. Er unterrichtet außerdem Jugendliche und Erwachsene in
figürlichem Zeichnen.
Feth, Monika: Der kleine Gedanke (ab 4 J.)
Der kleine Gedanke, auf den die
Schriftstellerin am Schreibtisch so dringend wartet, um eine neue
Geschichte schreiben zu können, beschließt, dass er nicht
mehr eingesperrt sein will
in irgendwelchen Köpfen. Er will selbst die Welt entdecken und
gehen, wohin es ihm passt . So macht er sich auf und erlebt einiges an
Abenteuern. Eines Tages trifft er per Zufall einen sehr alten Gedanken,
dem er erzählt, dass er sich so schwächlich fühlt. Der
alte Gedanke klärt ihn darüber auf, dass das mit Gedanken
passiert, die lange nicht mehr gedacht wurden.
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