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Buchwissenschaft

 

FAU

 

Bundesverband Leseförderung

     
 
Forschung
 
 

»Lesen ist als erlernbare Kulturtechnik die Voraussetzung für die Entschlüsselung verschrifteter Sprache und ermöglicht die Teilnahme an der schriftlichen Kommunikation.« Basal sind zunächst physiologische Vorgänge der Reizwahrnehmung durch das Auge, der mentale Verarbeitungen folgen. Diese Verarbeitungen können als kognitive Konstruktion bezeichnet werden, das heißt, Lesen ist immer auch ein Vorgang der individuellen, sinnstiftenden Interpretation. Lesen kann demnach als Prozess der Wahrnehmung, Entschlüsselung und mentalen Verarbeitung von Schriftzeichen gefasst werden. Voraussetzung für diesen Prozess ist ein Sprachverständnis, das bereits im frühesten Kindesalter entscheidend geprägt wird. Lesefähigkeit impliziert die individuelle, aktive Auseinandersetzung mit schriftsprachlichen Informationen.

Folgerungen
Wichtig ist unseres Erachtens, dass Initiativen der Leseförderung diese Grunderkenntnis der Lese(r)forschung dadurch berücksichtigen, dass sie sich nicht auf Vorlese- oder andere rezeptive Situationen beschränken, die auf den aktiven Gebrauch von Schriftzeichen verzichten. Dieser aktive Gebrauch durch Lesen und Schreiben schult und trainiert neurokognitive Fähigkeiten, die über die Funktion des Lesens als eine Schlüsselkompetenz in der Informationsgesellschaft hinaus für die mentale Leistungsfähigkeit und mithin soziale Stärke innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung sind. Wenn von »Schlüsselkompetenz« die Rede ist, so zielt dies zumeist auf die sich nach wie vor verstärkende Erfordernis, schriftsprachlicher Kommunikation gewachsen zu sein. Darüber hinaus aber fördert sie den Erwerb und die Verwendung von Sprache in ihrer Funktion als »Medium des Denkens«, des Informationsaustausches und der Gestaltung von Beziehungen.

Forschungsstand
So komplex wie die Kontexte des Lesens präsentieren sich die darauf bezogenen Forschungen: Ein die wesentlichen Stränge der theoretischen Lese- und Leserforschung erfassender Überblick ist »aufgrund der Vielzahl der sich damit beschäftigenden Disziplinen kaum möglich«. Am Fach Buchwissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg ist dennoch jüngst eine gründliche Bestandsaufnahme zur Lese(r)forschung vorgelegt worden. Axel Kuhn und Sandra Rühr beklagen darin als Fazit ihrer Analysen die Praxis einer zu stark disziplinär fokussierten Forschung, aus der sich folgenschwere Defizite ergeben, darunter der »fehlende Konsens zu elementaren Begriffen wie ›Lesen‹ oder ›Lesekompetenz‹, das Fehlen eines Modells für allgemeine Leseforschung sowie der unbestimmte Bezug auf schriftbasierte Medien, welcher teils weitläufig auf Schriftzeichen, teils eng auf spezielle Medien gefasst wird. Weiterhin ist die Rolle des Lesens und der Lesekompetenz innerhalb des ausdifferenzierenden Medienverbunds noch nicht ausreichend integriert.« Indem Abenteuer Buch die theoretische Analyse und Diskussion um Konzepte der Leseförderung als interdisziplinäre Aufgabe begreift, soll das Projekt einen Beitrag zur Verringerung der hier genannten Desiderate und Defizite leisten. Für die Forschungsperspektive im Bereich der Leseförderung sind dabei sowohl kongintionspsychologische, pädagogische als auch soziologische Ansätze bedeutsam, die mit buchwissenschaftlicher Kompetenz auf die Funktion von schriftbasierten Medien bei der Persönlichkeitsentwicklung und im gesellschaftlichen Kommunikationskontext bezogen werden können. Von besonderer Relevanz für die theoretische Basis unseres Projektes ist die Berücksichtigung des Forschungsfeldes Lesesozialisation.

 
     

 

 
     
 
 
 

Leseratte